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Wachstum ohne Wohlfahrt (Tagblatt der Stadt Zürich vom 18.03.2014) PDF Drucken E-Mail
Montag, den 24. März 2014 um 12:02 Uhr

 

Gemeinsame Wohlfahrt und dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlage. Diese Werte stehen zuvorderst in der Bundesverfassung. Nicht in der Verfassung steht die Konsum- und Gewinnmaximierung. Dennoch ist ein immer grösserer Teil der Gesellschaft kompromisslos genau darauf ausgerichtet. Die Folge: Zerstörung der Landschaft und Umwelt, Stress bei der Arbeit, steigende Mietpreise, überfüllte Züge und Strassen, Umverteilung nach oben. Oder kurz: Wirtschaftswachstum ohne Verbesserung der Wohlfahrt.
 
Um dieser ökologischen und sozialen Fehlentwicklung Einhalt zu gebieten, wurden die Zweitwohnungs- und die Minder-Initiative angenommen. Jeweils gegen den Willen der Economiesuisse, die mit ihrer Laisser-faire-Ideologie immer weniger überzeugen kann. Auch bei der Masseneinwanderungsinitiative spielte ein ähnlicher Frust über die aktuelle Entwicklung des Landes und die Unglaubwürdigkeit der Economiesuisse eine Rolle. Doch mit diesem Entscheid wurden andere Werte der Bundesverfassung wie der Offenheit gegenüber der Welt und die Chancengleichheit verletzt, ohne die grundlegenden Probleme unserer Wirtschaft zu lösen.
 
Statt die Werte unserer Bundesverfassung gegeneinander auszuspielen, braucht es eine Wirtschaft, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Eine Wirtschaft, die nicht zu Verdrängung und Umverteilung nach oben führt, eine Wirtschaft, die sich nicht auf Kosten der Umwelt entwickelt, eine Wirtschaft, die den Menschen und die Lebensqualität ins Zentrum stellt.
 
Dazu müssen die Marktregeln so angepasst werden, dass Unternehmen, welche ihre soziale und ökologische Verantwortung wahrnehmen, dafür auch belohnt werden. Genau das will die Volksinitiative für eine grüne Wirtschaft.

 


 
Die Arktis und die Pensionskasse (Tagblatt der Stadt Zürich vom 16.10.2013) PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 18. Oktober 2013 um 11:40 Uhr

Im Jahr 2003 wurde ich in England als Greenpeace-Aktivist festgenommen, weil wir gegen einen Erdölmulti protestierten. Einen Erdölmulti, der den Irakkrieg unterstützte. Doch ich wurde fair behandelt und musste nur eine Nacht in der Zelle übernachten. Marco Weber hat sich gegen die Zerstörung der Arktis durch den Erdölmulti Gazprom engagiert. Er sitzt nun schon 19 Tage in russischer Haft. Er wird in Isolationsha unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten.

Die offizielle Schweiz sollte in Russland intervenieren. Sie sollte wie Australien und die Niederlande öffentlich klarstellen, dass friedlicher Protest nicht wie Piraterie behandelt werden darf und dass die Grundrechte der Gefangenen respektiert werden müssen.

Gleichzeitig hat die Greenpeace-Aktion den alltäglichen Irrsinn unserer täglichen Ressourcenverschwendung wieder auf die Frontseite gebracht. Das ist auch eine Chance, um konkreten Massnahmen zum Durchbruch zu verhelfen, die diese Naturzerstörung reduzieren.

Die Schweiz muss sich gegen die Förderung der fossilen Energien in der Arktis einsetzen. Die Arktis würde sonst doppelt getroffen: einerseits durch die lokale Zerstörung bei der Förderung, anderseits durch die Klimaerwärmung. Wenn das Erdöl der Arktis gefördert wird, führt das zu einer Klimaerwärmung, von der das Ökosystem der Arktis besonders betroffen wäre.

Doch nicht nur die Politik, auch jeder Einzelne kann sich für den Schutz der Arktis und des Klimas einsetzen. Unsere Pensionskassen unterstützen nämlich Firmen wie Gazprom. Meine Pensionskasse, Publica, hat beispielsweise fast 2Milliarden in Erdölfirmen investiert. Damit wird die Zerstörung der Arktis unterstützt. Gleichzeitig sind dies riskante Investitionen. Denn sollte – und das hoffen wir alle – der Klimaschutz erfolgreich sein und seine Ziele erreichen, werden die Erdölfirmen wertlos. Wertlos, weil ihr Produkt – Erdöl – der Gesellscha mehr schadet als nützt.


 
Gastkommentar zur Verhaltensökonomie (NZZ vom 12.08.2013) PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 17. August 2013 um 11:11 Uhr

 

«Nudge» – besser entscheiden

 

US-Präsident Obama scheint ein Fan von «Nudge» zu sein: Er machte Cass Sunstein, den Co-Autor des Bestsellers «Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstösst», von 2009 bis 2012 zum Chef der Regulierungsbehörde. Die Idee von «Nudge»: Sie soll den Menschen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Ein «Nudge» ist beispielsweise eine gezielte Information über Produkteetiketten oder eine veränderte Standardeinstellung. «Nudge» wird mit «Schubser» übersetzt, es ist aber eigentlich eher eine freundliche Geste, ein hilfreicher Hinweis. Der englische Begriff ist treffender.
 

Rationalität – Irrationalität

Wie können wir besser entscheiden, weiss das nicht jeder selber am besten? Daniel Kahnemanns Bestseller «Schnelles Denken, langsames Denken» liefert eine geniale Beschreibung der Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie. Er beschreibt einleuchtend, wie wir uns systematisch irren und ökonomisch nicht rational verhalten. So werden beispielsweise künftige Kosten bei Kaufentscheiden konsequent unterschätzt. Und wir bleiben aus Trägheit oft beim Alten, auch wenn das Neue besser wäre. Auch Kahnemann kommt zum Schluss, dass «Nudge» eine gelungene politische Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen ist.
 
«Nudge» hilft, ohne uns zu zwingen. Libertärer Paternalismus nennt sich das. In der Versöhnung dieser gegensätzlichen politischen Anschauungen liegt das Potenzial für neue politische Mehrheiten – sei es für eine Verbesserung bestehender Massnahmen oder für das Angehen von Problemen, bei welchen Steuern und Vorschriften (noch) nicht mehrheitsfähig sind. Dies bestätigt der Rückblick von Sunstein in seinem Buch über die Erfahrungen der US-Regulierungsbehörde mit «Nudge» («Simpler: The Future of Government»). Er beschreibt, wie «Nudge» Verbesserungen in den Bereichen Energiewende, Klimaschutz, persönliche Altersvorsorge und Gesundheitsprävention ermöglicht hat.
 
Ist «Nudge» auch relevant für die Schweiz? Ja, zum Beispiel die Verbesserung der Energieetikette: Die Verhaltensökonomie zeigt klar, dass wir Effizienzeinsparungen unterschätzen, weil sie abstrakt und schwierig zu berechnen sind. Eine Energieetikette, die klar verständlich über den Energieverbrauch informiert, ist deshalb ein wichtiger «Nudge». Eine Studie der Universität St. Gallen zeigt, dass wir bereit sind, 30 Prozent mehr für ein Gerät der Effizienzklasse A zu bezahlen. Die Schweizer Energieetikette könnte weiter verbessert werden, indem finanzielle Einsparungen über die Lebensdauer der Geräte prominent angezeigt werden – eine Änderung, welche Sunstein sogar in der USA durchgebracht hat.
 
Oder der Ökostrom im Grundangebot: Unsere Trägheit wirkt sich heute oft zuungunsten der Umwelt aus. Auch wenn wir bereit wären, mehr für ökologischere Produkte zu bezahlen, ist es oft zu aufwendig. Hier hilft ein «Nudge», den das Stadtzürcher EWZ seit 2006 erfolgreich anwendet. Statt sich bewusst für Ökostrom zu entscheiden, müssen sich EWZ-Kunden beim individuellen Verbrauch bewusst gegen Ökostrom aussprechen. Würden alle Schweizer Elektrizitätswerke als Standard Ökostrom anbieten, liesse sich die Energiewende rascher finanzieren.
 

Grosses Potenzial

Problemlos lassen sich weitere Bereiche finden, wo «Nudges» zu besseren Entscheidungen führen würden. So könnte der Anteil klimaneutraler Flüge erhöht werden, wenn CO2-Kompensation Standard wäre, aber die Option «Ich will die Klimabelastung meines Fluges nicht kompensieren» angeklickt werden kann. In der Ernährung erlaubt «Nudge» einen Beitrag zu Klimaschutz und Gesundheit, indem das vegetarische Angebot ausgebaut wird. Im Verkehr könnte ein «Nudge» via Bordcomputer die Sicherheit erhöhen und den Bussen-Ärger reduzieren, indem das Überschreiten der Tempolimite automatisch angezeigt wird. Auch wenn es für viele Probleme weitergehende Massnahmen braucht: «Nudge» birgt ein enormes Potenzial, um richtiges Entscheiden einfacher zu machen. Deshalb sollte auch die Schweiz vermehrt «nudgen».

 


 

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Buch-Bestellung: Green Change

Lektorat: Hugo Ramseyer
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pirol.org, Lea Schmidt
Br., A5, ca. 240 S.
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  • Hans Peter Graf 28.05.2013 09:49
    Unternehmen, welche "langlebige" Produkte auf eine profitorientier te Lebensdauer von Garantiedauer plus ...
     
  • werner pluess 09.04.2013 09:30
    Flucht in Semantics? Ziemlich pauvre. Wenn schon Belehrungen: Bitte frischen Sie Ihre website und ...
     
  • C. Meyer 30.03.2013 10:37
    Ich bin weiss Gott kein Fan von Ch. Blocher, aber in diesen Punkten hat er recht. Hätten Sie sich die ...
     
  • Wilko Büttner 05.03.2013 16:17
    De Hauptabzocker sind zb. 300 richste mit 41000 Millione meh uf em Konto i de Schwiz im Jahr 2012 und ...
     
  • Inge Votava 20.04.2012 19:26
    zur morgigen Wahl
    Guten Abend Herr Girod Noch ein älteres Semester (1944), das hofft, dass Sie morgen gewählt ...

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